Meine Trading-Grundsätze

Nach vielen Jahren des Trades hat man wohl fast schon alles erlebt. Von der totalen Euphorie bei Aktien und am Gesamtmarkt bis hin zur Todesstimmung, bei der man dachte, die Börse macht jeden Moment zu und öffnet nicht wieder. In dieser Zeit habe ich mir ein paar Eigenschaften beim Traden angeeignet, die ich immer im Hinterkopf habe und die mir schon den ein oder anderen großen Verlust erspart haben.

 

#1 Handele nicht längerfristig gegen den Trend

Es hört sich so einfach an und ist in vielen Fällen doch verdammt schwer. Auch ich handele manchmal gegen den Trend, meist aber nur, wenn es sich um „Ausnahmesituationen“ handelt, dass heißt wenn es z. B. panikartige Abverkäufe gibt. Diese zu erkennen ist die Kunst des Tradens und Bedarf einer Menge Erfahrung. Der Weg des geringeren Widerstands ist es aber, den Trend zu spielen und auf Aktien und Branchen zu setzen, die aktuell beliebt sind. Kleine Rücksetzer kann man hier immer als Einstiege nutzen. Wenn der Gesamtmarkt stabil läuft können solche Trends Wochen, Monate oder sogar Jahre gehen. Mit etwas Glück kann man dann eine „Bullenaktie“ lange reiten. Man sollte sich hier aber stets bewusst sein, dass die Fallhöhe mit der Zeit natürlich immer weiter steigt. Kommt es dann zu einer schlechten Meldung wie schwächer als erwarteten Zahlen lösen sich die Buchgewinne schnell in Luft aus. Es kommt dann meist zu einem großen Eröffnungsgap, man kommt dann z. B. nur noch bei -10% oder schlechter aus der Aktie raus.

Ich werde hier im Blog nach und nach immer mal wieder Aktiencharts posten, wo sich ein stabiler Trend entwickelt hat und man versuchen kann, diesem zu folgen. Solche Trendfolge-Trades können dann über mehrere Tage oder Wochen laufen.

#2 Versuche nicht den Helden zu spielen

Oft kommt es an den Börsen zu Kursbewegungen, die man nicht versteht bzw. die der eigenen Meinung widersprechen. Sei es, dass eine Aktie ohne Grund jeden Tag weiter steigt oder das eine Aktie nach vermeintlich guten Zahlen abgestraft wird. Wenn man als Trader in so einem Fall einen zu großen Ego hat versucht man gegen den Markt anzukämpfen und z.B. eine Aktie im Aufwärtstrend zu shorten. Läuft es gegen einen vergrößert man die Position weiter und weiter bis man irgendwann mit dem Rücken zur Wand steht. Das gleiche kann natürlich auf der Kaufseite passieren, wenn man in fallende Aktien reinkauft. Gegen den Trend zu handeln kann eine funktionierende Strategie sein, allerdings braucht man hier viel Erfahrung. Vor allem wenn man auf fallende Kurse setzt sollte man sich ein maximales Verlustlimit setzen, bei dem man die Reißleine zieht.

Ich kann hier als Beispiel die Siltronic Aktie nennen, bei der ich allzu oft versucht habe, mit fallenden Kursen Geld zu verdienen.

So in etwa war meine Gemütslage bei der Aktie. Ich habe hier eine totale Übertreibung gesehen, dabei war die Aktie in einem astreinen Aufwärtstrend. Wie sich später herausgestellt hat, gab es auch mehrere Prognoseerhöhungen, der Anstieg war also zumindest zum Teil gerechtfertigt. Zumindest habe ich hier immer enge Stops gehabt so dass die Verluste klein blieben. Wer hier aber versucht hat, längerfristig zu shorten, hat sich eine blutige Nase geholt.

Merke: Wenn man auf der Shortseite gegen den Trend handelt, dann einen (engen) Stop einhalten und lieber mehrmals neu versuchen anstatt die Position gegen sich laufen zu lassen.

#3 Wenn etwas sehr sicher aussieht ist es das meist nicht

 

#4 Halte dich von Aktien mit starken Verkaufsdruck fern, wo „alle“ schon investiert sind

Viele Trader, auch ich, sind in Foren unterwegs und lesen natürlich auch andere Meinungen und lassen sich davon dann auch beeinflussen. Ich versuche mir, in Tradingforen und Facebook-Gruppen ein Bild zu machen, wie die Stimmung bei einer Aktie ist, wenn es z.B. Zahlen oder andere News gab. Oft kann man sehr schnell erkennen, wie die Stimmungslage ist und ob ein Großteil der Trader die Aktie hat oder nicht. Früher habe ich dann oft auch Aktien gekauft, die scheinbar günstig waren und wo viele Trader schon eingestiegen sind. Heute ist das aber anders: Bei beliebten Aktien wie Nordex oder noch kleineren Nebenwerten wie Auden werde ich immer dann vorsichtig, wenn die Aktie trotz vieler Käufe auf Seiten der Trader weiter fällt. Oft sind dann größere Adressen die Abgeber. Der Druck von dieser Seite kann dann sehr lange anhalten, ich halte mich daher aus solchen Aktien raus, zumindest so lange, bis viele Trader auch schon das Handtuch geworfen haben und die Aktie verkaufen.

#5 Kein Hebel über Nacht

Broker wie Vitrade und Sino aber natürlich auch CFD-Anbieter bieten Tradern die Möglichkeit, gehebelt in den Markt zu gehen. Intraday kann das Ausnutzen der Handelslinie bei großer Volatilität ein gutes Instrument sein, um Tradinggewinne zu erzielen. Hier kann man das Risiko einigermaßen kontrollieren, denn man kann Positionen jederzeit liquidieren. Wenn man jedoch auch über Nacht mit mehr Geld im Markt ist als eigentlich auf dem Konto ist, dann sieht das schon anders aus. Bei einzelnen Aktien kann es über Nacht böse Überraschungen geben, die mal eben ein 30% Gap verursachen oder aber der Markt kann aus verschiedensten Gründen z.B. mit -5% bis -10% eröffnen. Das kommt zwar alles sehr selten vor, aber es kommt vor und kann einem von einen Tag auf den anderen das Genick an der Börse brechen. Deshalb bin ich über Nacht mit meinen Tradingkonten niemals per Kredit long und kann dies auch keinem empfehlen. Vor allem bei CFDs kann man sehr schnell sein ganzes Depot verzocken, weil man hier normal sogar noch mit deutlich größeren Hebeln agiert. Deshalb immer das Risiko über Nacht klein halten, um am nächsten Tag stets noch flexibel handeln zu können.

#6 Keine Nachkaufstrategie bei Pennystocks / gepushten Aktien

Viele Trader die neu an der Börse sind versuchen zunächst Nebenwerte zu handeln, weil es hier eine deutlich größere Volatilität gibt. Oft sind diese Aktien aber aufgepumpte Luftblasen, die irgendwann platzen. Bei solchen Aktien ist es tödlich, in fallende Kurse hinein nachzukaufen. Man sollte sich von Anfang an bewusst sein, was man handelt. Wenn Aktien in Börsenforen und Börsenbriefen heiß diskutiert und empfohlen werden, dann sollte man auf der Hut sein und einen maximalen Verlust festlegen, bei dem man die Aktie verkauft. Niemals noch gutes Geld dem bereits schmelzenden Geld nachwerfen.

#7 Wenn die Welt unterzugehen scheint kaufe Aktien in dein Langfristdepot

An der Börse gibt es alle paar Jahre Phasen, wo es Monatelang nur abwärts geht. Meist geht es zunächst runter ohne das es dafür wirkliche Gründe gibt. Irgendwann, wenn der Markt schon 10-20% gefallen ist werden dann Gründe geliefert. Es geht dann oft noch beschleunigt weiter nach unten. In dieser Phase kommen dann die ganzen Untergangspropheten, die am Markt nochmal 50% Kursverlust sehen. Die Gründe sind dann meist zu hohe Schulden, Immobilienblasen, Rezessionen usw. Man hat irgendwann das Gefühl, dass es nie wieder hoch geht. Und irgendwann fängt man an, die Untergangsszenarien zu glauben. Dies ist dann der Zeitpunkt, Qualitätsaktien in sein Langfristdepot zu kaufen. Das Tief trifft man hierbei nie, es empfiehlt sich gestaffelt vorzugehen und mehrmals nachzukaufen, wenn die Kurse noch weiter rutschen. Auch wenn man schnell mal 10-20% im minus ist relativiert sich das meistens nach ein paar Jahren. Da fragt man sich dann oft: Wie konnte Aktie „XY“ damals so tief stehen, das waren ja Geschenke 🙂